Urban Scans
Thematische Projektreihe zu Kunst und Politik im städtischen Raum im Rahmen von Ortstermine 2004
- 17. April 2004 bis 09. Januar 2005
- Öffnungszeiten: Mi-So 14-20 Uhr
>> http://www.kunstraum-muenchen.de/index2.html >> http://www.ortstermine-muenchen.de
Samstag, 04.12.2004 - Reclaim the Cities
Eine Vortragsveranstaltung im kunstraum muenchen im Rahmen von urban scans|running the city konzipiert von Yvonne P. Doderer
Unter dem Vorzeichen ökonomischer Umstrukturierungen u.a. im Zusammenhang mit Globalisierung, Digitalisierung, Entgrenzungen, Feminisierung von Erwerbsarbeit und stadträumlichen Schrumpfungs- oder Wachstumsprozessen ist ein Umbau städtischer Räume zu beobachten. Dieser Umbau geht mit einem zunehmenden Verlust urbaner Öffentlichkeit sowie einer Kommerzialisierung und Privatisierung städtischer Räume und Infrastrukturen einher. Im Kontext von globalisierungskritischen Bewegungen, Bewegungen gegen Stadterneuerungspolitik und internationalen Frauenbewegungen werden hingegen andere Strategien nicht nur städtischer Raumproduktion und Raumaneignung entwickelt. Im Rahmen der Veranstaltung „Reclaim the Cities“ werden einige dieser Strategien nachgefragt und zur Diskussion gestellt.
14:30 Uhr Robert Foltin (Wien)
Gegen Kontrolle und Verwertungszwang, emanzipatorische Initiativen jenseits von Staat und Privat
16:00 Uhr Frauke Hehl (Berlin)
Strategien zur urbanen Raumnutzung - *nutzen, umnutzen, ausnutzen, zwischennutzen, weiternutzen*
17:30 - 18:00 Uhr Pause
18:00 Uhr Yvonne P. Doderer (Stuttgart)
Reclaim the Cities
19:30 Uhr Meggi Pieschel (Berlin)
Les Effets des Contreeffets ... und immer wieder neue Hybride: städtische Praktiken in peripheren Regionen am Beispiel Frankreich
21:00 Uhr Filmvorführung
"A la deriva. Por los circuitos de la precariedad femenina" Produktion: Kollektiv Precarias a la Deriva Spanien 2003, ca. 45 Min., Original mit englischen Untertiteln
Do 25.11.2004
ab 20h Vortrag von Roderich Fabian
"München ist die beste Stadt der Welt (und zwar schon immer)"
Wir haben die Schotten dicht, damit wir schön leben können. Wir haben eine blitzsaubere Stadt, die Müllmänner keinen Feierabend. Wir haben kaum Kriminalität, weil wir eine schicke Videoüberwachung der Innenstadt haben und an jeder Ecke ein Polizist steht (wenn nicht in Uniform, dann in Zivil, dazu kommen zahlreiche Informanten, die das sogar umsonst machen). Wir haben die schönste Männer und Frauen der Welt (München ist eine wahrgewordene Soap Opera). Und darüber hinaus haben wir eine gut geölte, bestens funktionierende Subkultur, die sich an vielerlei orten (ein Hoch dem Zwischennutz!) gegenseitig den Hof macht. Und auch das war schon immer so: Vor genau hundert Jahren - also 1904 – erschien in München ein Katalog des Simplicissimus-Verlages mit Selbstcharakterisierungen der beteiligten Künstler: Von Thomas Theoder Heine über Olaf Gulbransson bis Frank Wedekind. Simplicissimus war damals eine Münchner Subkulturbewegung, die heute wesentlich bedeutender erscheint als sie es damals im Münchner Alltag tatsächlich war. Auch heute gibt es eine vergleichbare, sehr lebendige Münchner Subkultur, bei der ebenfalls nur Eingeweihte Zutritt haben, die allerdings in hundert Jahren die gleiche kulturgeschichtliche Bedeutung haben wird wie jetzt die Simplizissten. Der Unterschied besteht allerdings in der Gewichtung der Genres: Waren früher Prosa, Lyrik, Theater und bildende Kunst die Eckpfeiler der Szene, sind es heute Musik, Literatur, Film und Party. Aber für immer gilt: So ´was ist nur in München möglich (wie leider so vieles andere auch).
ab 21h: Vortrag von Wolfgang Brauneis und Felix Klopotek
"Der elektronische Entrepreneur. Über das Zusammenspiel von Popkultur,Urbanismus und selbstorganisiertem Unternehmertum am Beispiel Köln"
Selten wurde eine Stadt derart mit einem musikalischen Genre identifiziert wie im Falle Köln, das seit Mitte der 1990er Jahre als Produktionsstätte schlechthin für zeitgenössische elektronische Musik gilt. Doch stellt sich die Situation knapp ein Jahrzehnt, nachdem der Hype ausgerufen wurde, in vielerlei Hinsicht anders dar, insbesondere, was die Orte der Produktion, Rezeption und Distribution, sprich die Situation und das Zusammenspiel der Schallplattenlabels und -läden, Vertriebe, Veranstaltungsorte und der Medienlandschaft zwischen Musikzeitungen und Fernsehanstalten betrifft. Wolfgang Brauneis (Kunsthistoriker, lebt als freier Autor, Dozent, Labelbetreiber und Mitarbeiter von a-musik in Köln) wird anhand von Bildmaterial erläutern, inwiefern die Entwicklung „der“ Kölner Elektronik-Szene in den 1990er Jahren unter urbanistischen Gesichtspunkten zu erklären ist und wie sich diese Situation in den vergangenen zehn Jahren - v.a. durch die innerstädtische Verlagerung und Dezentralisierung, aber auch der Abwanderung der Produktionsstätten vor dem Hintergrund der Entwickung einer selbsternannten „Medienstadt“ verändert hat bzw. wie sich popkulturelle Praxis und Stadtentwicklung in diesem Zeitraum zueinander verhielten. Felix Klopotek (Musikjournalist, Köln) wird daraufhin herausarbeiten, inwiefern Popkultur in zweierlei Hinsicht - als Ausdruck einer bestimmten städtischen Entwicklung zum einen, als Katalysator zum anderen - als Faktor der Stadtentwicklung betrachtet werden kann, und wie sich gerade am Beispiel Köln die Ambivalenz zwischen künstlerischem Eigensinn - der per se nicht anstrebt, in einer stadtpolitischen Exegese aufzugehen - auf der einen Seite und der Rolle als faktischer Bestandteil postfordistischer und urbaner Entwicklungen auf der anderen Seite aufzeigen lässt.
anschließend Plattenauflegen
Running the City
ist ein Set thematischer Veranstaltungen vom 04. November bis 11. Dezember 2004 organisiert von Heike Ander und Stefan Römer im Rahmen der Projekt- und Ausstellungsreihe "urban scans" im KunstraumMuenchen. Running the City lädt verschiedene KulturproduzentInnen? und Gruppierungen ein, die einen kritischen Urbanismus praktizieren. Der Projekttitel akzentuiert eine assoziative Verbindung von der Bewegung durch den städtischen Raum mit dem aktiven Betreiben/Verwalten der Stadt. Das Interesse der Veranstaltungsreihe richtet sich auf Formen und Strategien urbaner Raumaneignung und ?produktion als kritischer Beitrag zur Diskussion der sogenannten Kunst im öffentlichen Raum.